Drei Wege in den Beruf: Studium, Ausbildung, Weiterbildung
Wer Digitalisierungsmanager werden will, hat drei realistische Wege vor sich: ein Studium, eine Ausbildung im IT-Bereich, oder eine zertifizierte Weiterbildung. Keiner der drei ist grundsätzlich besser, aber sie passen zu sehr unterschiedlichen Lebenssituationen. Dieser Artikel zeigt dir was jeder Weg dauert, was er kostet und für wen er wirklich gemacht ist, damit du nicht den falschen einschlägst, weil dir jemand gesagt hat, es gäbe nur einen.
In meinen Beratungsgesprächen sitzen regelmäßig Menschen, die sich selbst vom besten Weg abgeraten haben, weil sie glaubten, es gäbe nur einen. Die meisten denken zuerst an ein Studium, weil Studium in Deutschland als der solide Weg gilt. Andere denken an eine Ausbildung, weil sie jung sind und noch nicht wissen was sie lange durchhalten können. Nur wenige denken zuerst an eine Weiterbildung, obwohl sie für den größten Teil der Quereinsteiger der mit Abstand realistischste Weg ist. Nach dem Gespräch bei mir ist die Entscheidung oft eine andere, und fast immer eine bessere.
Die drei Wege im Überblick
Die drei Wege decken unterschiedliche Lebensphasen und Bildungsbiografien ab. Hier der Überblick, bevor wir in die Details gehen:
| Weg | Dauer | Kosten | Zielgruppe | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|
| Studium (Bachelor) | 3 bis 4 Jahre | 0 bis 3.000 Euro pro Semester | Abiturienten, Akademiker | Akademischer Abschluss, breiter Theorie-Rahmen |
| Ausbildung (Fachinformatiker) | 3 Jahre | Bezahlt (Ausbildungsvergütung) | Schulabgänger ohne Abitur | IHK-Abschluss, technisch-operativer Schwerpunkt |
| Weiterbildung (DigiMan) | 4 Monate | 0 bis 9.662,40 Euro | Berufstätige, Arbeitssuchende, Quereinsteiger | DEKRA-Zertifikat, Portfolio, Quereinstieg |
Die Tabelle zeigt die Kernunterschiede. Was sie nicht zeigt, ist das zentrale Entscheidungskriterium: Welchen Weg kannst du dir in deiner aktuellen Lebenssituation realistisch leisten, zeitlich und finanziell. Darum geht es im Rest des Artikels.
Das Studium als Weg
Ein Studium ist der klassische Weg für alle, die mit Anfang zwanzig vor der Entscheidung stehen und drei bis fünf Jahre Zeit und Ruhe mitbringen. Typische Studiengänge, die in die Richtung Digitalisierungsmanager führen, sind Wirtschaftsinformatik, Digital Business, Management und Digitalisierung, oder ein allgemeines BWL-Studium mit IT-Schwerpunkt. Die Titel unterscheiden sich, die Inhalte überschneiden sich stark.
Dauer: Regelstudienzeit im Bachelor beträgt sechs Semester, also drei Jahre. Real liegt die Durchschnittszeit deutlich darüber. Wer den Master dranhängt, kommt auf vier bis fünf Jahre insgesamt. Wer parallel arbeitet, verlängert nochmal.
Kosten: In Deutschland zahlen Bachelor-Studierende an staatlichen Hochschulen keine Studiengebühren, nur Semesterbeiträge zwischen 200 und 400 Euro pro Semester. Private Hochschulen nehmen 3.000 bis 15.000 Euro pro Jahr. Dazu kommen Lebenshaltungskosten, BAföG gleicht einen Teil aus.
Vorteile: Du bekommst einen breiten theoretischen Rahmen. Du lernst strukturiert arbeiten, wissenschaftlich denken, und hast am Ende einen akademischen Titel, der im Konzern in gewissen Rollen Türen öffnet. Wer in die Beratung oder in die Forschung will, braucht das Studium in der Regel.
Nachteile: Die Zeitrechnung. Drei bis fünf Jahre sind lang, wenn du schon im Berufsleben stehst oder wenn du schnell wieder Geld verdienen musst. Der zweite Nachteil: Der Praxisbezug hinkt in vielen Studiengängen dem Markt hinterher. Was du im dritten Semester als aktuelles Tool gelernt hast, ist im fünften Semester bereits Geschichte.
Wer passt: Abiturienten die sich noch orientieren. Berufstätige die finanziell abgesichert sind und berufsbegleitend studieren können. Akademiker die umsatteln wollen und einen zweiten Bachelor oder Master anhängen.
Die Ausbildung als Weg
Eine klassische Berufsausbildung ist der Weg für Jugendliche, die mit sechzehn oder achtzehn direkt aus der Schule kommen und eine solide Grundlage wollen, ohne ein Studium anzufangen. Der nächste Beruf in die Richtung Digitalisierungsmanager ist der Fachinformatiker, mit den Fachrichtungen Anwendungsentwicklung, Systemintegration, Daten- und Prozessanalyse oder digitale Vernetzung.
Dauer: Drei Jahre, manchmal auf zweieinhalb verkürzbar. Im dualen System wechselst du zwischen Berufsschule und Betrieb.
Kosten: Keine. Im Gegenteil, du bekommst eine Ausbildungsvergütung, die sich je nach Jahr und Branche zwischen rund 900 und 1.500 Euro brutto pro Monat bewegt.
Vorteile: Du verdienst vom ersten Tag an Geld. Du bekommst einen anerkannten IHK-Abschluss. Du lernst im Betrieb, also sofort mit echten Tools und echten Kollegen. Nach drei Jahren hast du einen Beruf in der Tasche, mit dem du überall in Deutschland arbeiten kannst.
Nachteile: Der Fachinformatiker ist kein Digitalisierungsmanager. Er ist ein technischer Beruf mit starkem Programmier- und Systemfokus, keine Prozess- oder Kommunikationsrolle. Wer nach der Ausbildung als Digitalisierungsmanager arbeiten will, braucht zusätzlich Erfahrung in Prozessanalyse, Workshops, BPMN und KI-Einsatz im Unternehmen. Das ist eine zweite Phase nach der Ausbildung, keine direkte Anschlussrolle.
Wer passt: Schulabgänger ohne Abitur. Junge Erwachsene, die noch keinen Plan haben und erstmal einen Beruf lernen wollen. Menschen, die das Lernen im Betrieb dem Lernen im Seminarraum vorziehen.
Für einen reinen Berufswechsel in die Digitalisierung ist die Ausbildung selten der schnellste Weg, weil sie drei Jahre kostet und danach weitere Schritte nötig sind. Mehr zum Vergleich Ausbildung gegen Weiterbildung findest du im Artikel Digitalisierungsmanager werden ohne Ausbildung.
Die Weiterbildung als Weg
Die Weiterbildung zum Digitalisierungsmanager ist der Weg für alle, die schon einen Beruf haben und wechseln wollen, die aus der Arbeitslosigkeit raus wollen, oder die aus einer anderen Branche umsatteln. Sie ist der schnellste und direkteste Weg in den Beruf, und für die meisten Quereinsteiger der einzige, der finanziell und zeitlich funktioniert.
Dauer: Vier Monate Vollzeit, also sechzehn Wochen, Montag bis Freitag, live online. Das entspricht 720 Unterrichtseinheiten in 13 Modulen. Kein Selbststudium, sondern echter Unterricht mit Fragen, Übungen und einem Abschlussprojekt.
Kosten: 9.662,40 Euro beim Vollzahler. Mit Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters 0 Euro. Für Beschäftigte führt der Weg über das Qualifizierungschancengesetz, bei dem je nach Unternehmensgröße zwischen 25 und 100 Prozent der Kosten vom Staat übernommen werden.
Vorteile: Tempo. Vier Monate sind überschaubar. Du kannst dich mental darauf einstellen, die Familie organisieren, und weißt wann du fertig bist. Praxisanteil von rund vierzig Prozent heißt, du baust eigene Projekte und hast am Ende ein Portfolio, das du im Bewerbungsgespräch zeigen kannst. Die Zertifikate, DEKRA-Zertifikat, Microsoft AI-900 Fundamentals, Sachkundenachweis nach Artikel 4 der KI-Verordnung und Portfolio-Zertifikat, sind am Arbeitsmarkt anerkannt. Und der Bildungsgutschein macht den Weg für Arbeitssuchende kostenlos.
Nachteile: Die Weiterbildung ist eine Weiterbildung, kein akademischer Abschluss. Im Konzern auf einer Stelle, die formal einen Bachelor verlangt, wird der Titel nicht immer reichen, auch wenn er fachlich trägt. Das ist aber eine kleinere Teilmenge des Marktes. Die große Mehrheit der Stellen verlangt Kompetenz, nicht Titel.
Wer passt: Berufstätige, die schnell wechseln wollen. Arbeitssuchende, die den Sprung in einen Zukunftsberuf wollen. Quereinsteiger Mitte dreißig bis Mitte fünfzig, für die ein Studium zeitlich und finanziell keine Option mehr ist. Menschen mit Familie, die feste Zeiten brauchen und nicht drei Jahre lang ins Semester-Chaos rutschen wollen.
Mehr zum Ablauf der Weiterbildung findest du im Artikel über die Dauer der Weiterbildung und in der Kostenübersicht.
Wie der Markt auf die drei Wege schaut
Der Arbeitsmarkt schaut auf zwei Dinge: Was kannst du, und kannst du das zeigen. Laut Bitkom Fachkräftereport 2025 sind in Deutschland über 100.000 Stellen im Bereich Digitalisierung und KI offen. Unternehmen suchen nicht nach Titeln, sondern nach Menschen, die am ersten Tag im Job Workshops moderieren, Prozesse zeichnen, KI-Tools einsetzen und mit IT-Abteilungen reden können.
Das Studium bringt den breiten Rahmen, aber wenig unmittelbare Einsetzbarkeit. Die Ausbildung bringt technische Tiefe, aber wenig Kommunikation und Prozessdenken. Die Weiterbildung zielt genau auf das, was Unternehmen sofort brauchen: Prozessverständnis, KI-Werkzeuge, Dokumentation, Datenschutz. Das ist kein Zufall, sondern das Design des Kurses.
Das Einstiegsgehalt als Digitalisierungsmanager liegt unabhängig vom Weg zwischen 50.000 und 65.000 Euro brutto pro Jahr. Es gibt Unternehmen, die Akademiker oben in der Spanne ansiedeln. Es gibt andere, die den Quereinsteiger mit Portfolio nehmen, weil er schneller einsetzbar ist. Pauschal lässt sich nicht sagen, dass ein Weg finanziell führt. Was führt, ist Vorbereitung auf das erste Jahr.
Der richtige Weg für dich
Die Entscheidung hängt an drei Fragen, die du dir ehrlich stellen solltest.
Zeit ist die erste Frage. Wenn du unter fünfundzwanzig bist, keinen Job und keine Familie hast, sind Studium und Ausbildung echte Optionen. Wenn du zwischen dreißig und fünfzig bist, einen Beruf hast oder eine Familie versorgst, sind vier Monate Weiterbildung das maximal Realistische. Drei Jahre Studium sind eine andere Lebensrealität.
Geld ist die zweite. An staatlicher Hochschule hast du im Studium fast kein Cashflow-Problem, aber Lebenshaltungskosten über Jahre. In der Ausbildung bekommst du Geld statt welches auszugeben. Die Weiterbildung kostet mit Bildungsgutschein oder QCG 0 Euro an Kursgebühren, dein Arbeitslosengeld oder Bürgergeld läuft weiter. Mehr dazu im Artikel über den Weg über das Arbeitsamt und den Weg über das Jobcenter.
Das Ziel ist die dritte Frage. Wenn du Forscher oder Konzernberater werden willst: Studium. Wenn du technischer Spezialist in der IT-Abteilung eines Unternehmens sein willst: Ausbildung, dann Spezialisierung. Wenn du in vier Monaten vor einem Geschäftsführer sitzen und sein Unternehmen digitalisieren willst: Weiterbildung.
Häufige Fragen zum Vergleich der drei Wege
Kann ich erst eine Weiterbildung machen und später noch studieren? Ja. Die Weiterbildung schließt kein späteres Studium aus. Manche meiner Absolventen machen nach ein bis zwei Jahren Berufserfahrung einen berufsbegleitenden Bachelor oder Master drauf, weil sie merken, dass sie den akademischen Rahmen für bestimmte Positionen brauchen. Die Reihenfolge ist oft besser als andersherum, weil du dann weißt, welches Studium dir wirklich etwas bringt.
Ist ein Bachelor-Titel mehr wert als das DEKRA-Zertifikat? Es hängt von der Stelle ab. Auf einer Position, die formal einen Bachelor verlangt, ja. Auf einer Position, die Kompetenz und Portfolio verlangt, nicht. Im Mittelstand und im gehobenen KMU-Bereich zählen Ergebnisse stärker als Titel. Für Konzernpositionen mit HR-Filter zählt manchmal der formale Abschluss.
Kann ich als Fachinformatiker-Absolvent danach noch eine Digitalisierungsmanager-Weiterbildung machen? Ja, und das ist oft eine sinnvolle Kombination. Die Ausbildung gibt dir die technische Tiefe, die Weiterbildung die Prozess- und Kommunikationsrolle. Nach beidem bist du in einer ziemlich guten Ausgangslage für den Sprung in eine Digitalisierungs-Rolle, weil du beide Seiten der Brücke verstehst.
Warum empfehlen mir manche Berater ein Studium obwohl ich schon Anfang vierzig bin? Weil Studium in Deutschland kulturell als sicherer Weg gilt, auch wenn das für deine Situation nicht gilt. Ein Studium mit Mitte vierzig ist möglich, aber es kostet dich drei bis fünf Jahre und in der Regel einen großen Teil deines Einkommens. Wenn Zeit und Geld keine Rolle spielen, ist es eine Option. Wenn doch, ist die Weiterbildung fast immer der bessere Weg.
Gibt es einen Weg, alle drei zu kombinieren? Theoretisch ja. Praktisch ist das für die allerwenigsten sinnvoll, weil du am Ende zwölf Jahre in Ausbildung und Studium und Weiterbildung steckst, ohne jemals im Beruf anzukommen. Wähle einen Hauptweg, ergänze bei Bedarf später.
Über den Autor
Dr. Jens Aichinger ist Gründer von SkillSprinters, einem DEKRA-zertifizierten Bildungsträger für KI- und Digitalisierungs-Weiterbildungen. Promovierter Naturwissenschaftler, seit über zehn Jahren in Bildung und Digitalisierung. In seinen Beratungsgesprächen geht es fast immer um die Frage, welcher der drei Wege für die konkrete Lebenssituation der richtige ist. Mehr über den Autor.
Zuletzt geprüft am 14. April 2026 von Dr. Jens Aichinger.
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